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Louise Glück – Marigold und Rose

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Diese Erzählung macht sich klein. Sie kommt daher wie eine Kindergeschichte. Aber sie tarnt sich nur, denn sie erzählt vom Werden einer Schriftstellerin: ein Porträt der Autorin als Kleinkind. Im Zentrum: Marigold und Rose, Ringelblume und Rose. Sie sind Zwillinge, sie sind Babies. Von Beginn an ist klar, die eine, Rose, ist everybody`s darling, die andere, Marigold, ist introvertiert.
Marigold hatte sich in ihr Buch vertieft; sie war schon beim V. Rose machte sich nichts aus Büchern von der Sorte, wie Marigold sie gerade las und in denen Tiere vorkamen statt Menschen. Rose war gesellig. Sie mochte Aktivitäten, bei denen andere eine Rolle spielten, baden beispielsweise.

Quelle: Louise Glück – Marigold und Rose

Reiches Innenleben zweier Babies

Schlau sind beide, etwas altklug vielleicht. Im Babyhirn wird reichlich gedacht, obwohl beide noch gar nicht sprechen können, ja:
Keiner der Zwillinge konnte lesen, sie waren noch Babys. Aber wir haben, dachte Rose, ein Innenleben.

Quelle: Louise Glück – Marigold und Rose

Ein reiches, muß man sagen. Denn da wir nicht wissen, was in ihnen vorgeht, erlaubt sich die Dichterin die Freiheit, den Babygedanken keine Grenzen zu setzen. Es wird mehr reflektiert als erzählt. Darauf muss man sich als Leserin, als Leser einlassen.

Glücks Prämisse: Denken ohne Sprache ist möglich

Denken ohne Sprache ist möglich, so lautet die Grundprämisse dieser Geschichte. Das erfahren wir von der allwissenden Erzählerin. Und sogar Kommunikation findet zwischen den Zwillingen ohne Worte statt, als könnten die beiden Gedanken lesen. Sie gehören zusammen und stehen doch in andauernder Konkurrenz, eine Idylle der harmonischen Zweisamkeit läßt Louise Glück gar nicht erst aufkommen, Rose stellt sich ihre Schwester als Haustier vor, Marigold träumt davon, Rose zu schlagen, ihre jeweiligen Defizite spiegeln sich im andern. Und dann sind da noch die Eltern mit ihren Vorlieben, der gutaussehende, aber in sich gekehrte Vater, die geschäftige Mutter, die eine ihrer Töchter schon mal übersieht. Aber wer ein Buch schreiben will, muß doch auch Worte lernen. Und die sind, das erfährt Marigold nach dem Tod der Großmutter, immer an Verluste gebunden. Nur was nicht mehr da ist, muß mit Worten bezeichnet werden. Erst dann beginnt Zeit, erst dann beginnt Erinnerung. "Alles wird verschwinden. Immerhin, dachte sie, kenne ich jetzt mehr Wörter. Im Kopf legte sie eine Liste aller bekannter Wörter an: Mama, Papa, Bär, Biene, Hut. Es wird, dachte sie immer so weitergehen. Alles wird verschwinden, und ich werde neue Wörter lernen. Mehr und mehr und immer mehr, und dann schreibe ich mein Buch." Und:
Manchmal überlegte sie sich, das Sprechen einfach zu überspringen und aufs Schreiben zu warten.

Quelle: Louise Glück – Marigold und Rose

Das klingt wie das Paradies der Schriftstellerin Louise Glück, die auf die nicht nur für sie überraschende Nachricht vom Literaturnobelpreis 2020 mit Panik reagiert hat, weil sie, wenn nur möglich, Öffentlichkeit meidet. Oder zugespitzt: Schreiben ist für sie - und Marigold - Freiheit, Sprechen das Gegenteil: ein Gefängnis.

Autobiographische Anklänge

Ein wenig hat man den Eindruck, Louise Glück hat in diese Erzählung ihre eigene schwierige Biographie, über die sie auch offen spricht, einfließen lassen, die Probleme mit ihrer übermächtigen Mutter, Marigold ist das Vaterkind, Rose der Liebling der Mutter, die jüdische Herkunft, der Vater vererbt Marigold seine, wie es heißt, jüdischen Schuldgefühle, und nicht zuletzt der Traum einer Schwester, die die eigene Hälfte zum Ganzen ergänzt, weil im realen Leben Louise Glück ihre ältere Schwester früh verloren hat. Am Ende sind die Zwillinge eins. Und schlau und naseweis wie sie sind, wundern sie sich darüber, da sie doch immer schon eins sind und waren. Die Pointe, sie haben Geburtstag: Sie werden eins, also ein Jahr alt. Und sind damit in der Zeit angekommen. Marigold wird in der folgenden Nacht träumen, dass sie ein Buch verfasst, es ist das Buch, das wir zu lesen bekommen. Sicher kein Hauptwerk, aber ein Schlüssel für Louise Glücks Schreiben, in dem sie behutsam ihre Poetologie entfaltet. Sie legt Wert auf die Erkenntnis, dass Dichten dem Verlust entspringt und der Erinnerung, denn wie sie in einem ihrer letzten Gedichte geschrieben hat: „Worte sind keine Lösung.“
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Marigold hatte sich in ihr Buch vertieft; sie war schon beim V. Rose machte sich nichts aus Büchern von der Sorte, wie Marigold sie gerade las und in denen Tiere vorkamen statt Menschen. Rose war gesellig. Sie mochte Aktivitäten, bei denen andere eine Rolle spielten, baden beispielsweise.

Quelle: Louise Glück – Marigold und Rose

Reiches Innenleben zweier Babies

Schlau sind beide, etwas altklug vielleicht. Im Babyhirn wird reichlich gedacht, obwohl beide noch gar nicht sprechen können, ja:
Keiner der Zwillinge konnte lesen, sie waren noch Babys. Aber wir haben, dachte Rose, ein Innenleben.

Quelle: Louise Glück – Marigold und Rose

Ein reiches, muß man sagen. Denn da wir nicht wissen, was in ihnen vorgeht, erlaubt sich die Dichterin die Freiheit, den Babygedanken keine Grenzen zu setzen. Es wird mehr reflektiert als erzählt. Darauf muss man sich als Leserin, als Leser einlassen.

Glücks Prämisse: Denken ohne Sprache ist möglich

Denken ohne Sprache ist möglich, so lautet die Grundprämisse dieser Geschichte. Das erfahren wir von der allwissenden Erzählerin. Und sogar Kommunikation findet zwischen den Zwillingen ohne Worte statt, als könnten die beiden Gedanken lesen. Sie gehören zusammen und stehen doch in andauernder Konkurrenz, eine Idylle der harmonischen Zweisamkeit läßt Louise Glück gar nicht erst aufkommen, Rose stellt sich ihre Schwester als Haustier vor, Marigold träumt davon, Rose zu schlagen, ihre jeweiligen Defizite spiegeln sich im andern. Und dann sind da noch die Eltern mit ihren Vorlieben, der gutaussehende, aber in sich gekehrte Vater, die geschäftige Mutter, die eine ihrer Töchter schon mal übersieht. Aber wer ein Buch schreiben will, muß doch auch Worte lernen. Und die sind, das erfährt Marigold nach dem Tod der Großmutter, immer an Verluste gebunden. Nur was nicht mehr da ist, muß mit Worten bezeichnet werden. Erst dann beginnt Zeit, erst dann beginnt Erinnerung. "Alles wird verschwinden. Immerhin, dachte sie, kenne ich jetzt mehr Wörter. Im Kopf legte sie eine Liste aller bekannter Wörter an: Mama, Papa, Bär, Biene, Hut. Es wird, dachte sie immer so weitergehen. Alles wird verschwinden, und ich werde neue Wörter lernen. Mehr und mehr und immer mehr, und dann schreibe ich mein Buch." Und:
Manchmal überlegte sie sich, das Sprechen einfach zu überspringen und aufs Schreiben zu warten.

Quelle: Louise Glück – Marigold und Rose

Das klingt wie das Paradies der Schriftstellerin Louise Glück, die auf die nicht nur für sie überraschende Nachricht vom Literaturnobelpreis 2020 mit Panik reagiert hat, weil sie, wenn nur möglich, Öffentlichkeit meidet. Oder zugespitzt: Schreiben ist für sie - und Marigold - Freiheit, Sprechen das Gegenteil: ein Gefängnis.

Autobiographische Anklänge

Ein wenig hat man den Eindruck, Louise Glück hat in diese Erzählung ihre eigene schwierige Biographie, über die sie auch offen spricht, einfließen lassen, die Probleme mit ihrer übermächtigen Mutter, Marigold ist das Vaterkind, Rose der Liebling der Mutter, die jüdische Herkunft, der Vater vererbt Marigold seine, wie es heißt, jüdischen Schuldgefühle, und nicht zuletzt der Traum einer Schwester, die die eigene Hälfte zum Ganzen ergänzt, weil im realen Leben Louise Glück ihre ältere Schwester früh verloren hat. Am Ende sind die Zwillinge eins. Und schlau und naseweis wie sie sind, wundern sie sich darüber, da sie doch immer schon eins sind und waren. Die Pointe, sie haben Geburtstag: Sie werden eins, also ein Jahr alt. Und sind damit in der Zeit angekommen. Marigold wird in der folgenden Nacht träumen, dass sie ein Buch verfasst, es ist das Buch, das wir zu lesen bekommen. Sicher kein Hauptwerk, aber ein Schlüssel für Louise Glücks Schreiben, in dem sie behutsam ihre Poetologie entfaltet. Sie legt Wert auf die Erkenntnis, dass Dichten dem Verlust entspringt und der Erinnerung, denn wie sie in einem ihrer letzten Gedichte geschrieben hat: „Worte sind keine Lösung.“
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