ERF Plus - Wort zum Tag Skepsis auf der ganzen Linie?

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Es waren schlimme Tage für Mose am Berg Sinai. Schon vorher war es kein Spaziergang gewesen, aber was für eine Katastrophe war jetzt über das Volk Israel hereingebrochen. Nach den Wundern der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, dem Durchzug durchs Schilfmeer und der Versorgung in der Wüste waren eigentlich Hoffnung und Zuversicht angesagt. Die Verheißungen Gottes, die Mose seinen Leuten weitergegeben hatte, schienen in greifbarer Nähe zu sein. Nichts konnte Israel offenbar aufhalten. Aus der anfänglichen Skepsis war Vertrauen auf den Gott der Väter erwachsen. Wir sind auf dem Weg ins gelobte Land!

Gott führte Mose und das Volk zunächst einmal mitten hinein in die Sinaihalbinsel. Wüste – wohin das Auge reicht – kein Wasser, kein Land, in dem Milch und Honig fließen … Wüste! Schon bald kam es – erwartungsgemäß – zu Mangel, Unzufriedenheit und Murren. Die Wunder waren schnell vergessen. Die Probleme vor Augen waren wesentlich größer und wirksamer als die Erfahrungen früherer göttlicher Hilfe. Das geht uns – glaube ich – immer noch so. Auch das Neue Testament berichtet uns davon, wie schnell das Volk Israel – und interessanterweise vor allem auch die Jünger – vergessen haben, was sie mit Jesus erlebt hatten. Als es dann ernst wurde, waren sie fast alle nicht mehr dabei. Erfahrungen sind flüchtig. Sie halten nicht lange vor. Von den Stürmen des Alltags werden sie schnell weggeweht. Offenbar braucht es mehr als schöne Erinnerungen!

Schließlich kommt das Volk Israel an den Sinai und Mose empfängt von Gott die Tafeln mit den 10 Geboten auf dem Berg. Doch noch während er dort ist, haben seine Leute bereits den Bund gebrochen. Das goldene Stierbild sollte den unsichtbaren Gott Israels sichtbar und greifbar machen. Mose zertrümmert im Zorn darüber die Gesetzestafeln und vernichtet das goldene Kalb. Die Situation steht auf Messers Schneide. Doch am Ende gibt Gott seinem Volk eine zweite Chance. Mose geht erneut auf den Berg und erhält den Auftrag, zwei neue Gesetzestafeln herzustellen und dort erlebt er in besonderer Weise die Nähe und Gegenwart Gottes. „Mein Angesicht soll vorangehen; ich will dich zur Ruhe leiten“, verspricht Gott dem Mose und „… du hast Gnade vor meinen Augen gefunden.“ Und dann wendet sich Mose mit der indirekten Bitte an Gott: „Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, dann führe uns nicht von hier hinauf.“ Wenn Gott nicht vorangeht und mitten dabei ist, wagt Mose keinen weiteren Schritt mehr. Die Sache ist ihm zu heikel. Es braucht eine Vergewisserung für Mose, dass Gott ihm und dem Volk wieder und weiterhin gnädig zugetan ist. Und dann tut Gott etwas ganz und gar Ungewöhnliches. Er lässt Mose seine Herrlichkeit schauen – zumindest ein wenig davon.

Mose weiß, dass es Gnade ist, dem lebendigen Gott begegnen zu dürfen und nicht zu scheitern und zu vergehen. Es ist Gnade allein, dass dieser Gott uns nicht nur in seiner Nähe duldet, sondern sogar haben will. Für Mose ist es wichtig und ein Zeichen der wieder gewonnenen Gemeinschaft zwischen Gott und seinem Volk, dass Gott inmitten seiner Leute da und ihnen vorangeht. Wenn das der Fall ist, dann kann es weiter gehen. Die Vergangenheit ist geklärt und die Zukunft kann kommen. Für Israel hieß das damals, den Weg durch die Wüste fortzusetzen auf das verheißene Land zu.

Autor: Bernhard Heyl


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